Alwine Baresch wurde 1995 in Caransebes, Rumänien geboren und studiert als Meisterschülerin Malerei an der HBK in Braunschweig. Sie setzte sich mit ihrer Bewerbung um das Stipendium der Gemeinde und Samtgemeinde Meinersen 2026/2027 gegenüber ihren Mitbewerber:innen durch und wird vom Oktober 2026 bis zum September 2027 im Künstlerhaus in Meinersen leben und arbeiten. Wir freuen uns auf Alwine Baresch. Webseite: www.alwine-baresch.de

Wilhelm Christoph Warning über die künstlerische Arbeit von Alwine Baresch

Es passt, was der Religionswissenschaftler Mircea Eliade angesichts der Bilder von Paul Gauguin über das, wie er es ausdrückte „Heimweh nach dem Paradies“ schreibt, und er formuliert, es sei die Sehnsucht nach irgendetwas Unzugänglichem und hoffnungslos Verlorengegangenen. Damit sind wir bei den Bildern von Alwine Baresch, diesen erfundenen Welten, die auch Gesehenes einschließen, scheinbar Vertrautes, die in neuem Zusammenhang dann doch fremd wirken und zuweilen bedrohlich. Ein Weg des Staunens vielleicht, auf Pfaden der Fülle: Betrachten wir beispielhaft ihr Gemälde „Unter Palmen“. Die Malerin führt uns mit diesem Bild, das sich einem Staunen zunächst zu entziehen scheint, keine Sehnsuchtslandschaft vor, keine tropische Idylle, keine Romanze, keine sentimental verklärende Sicht. Palmen, ja, aber wie und wo? Bläulich und kalt, dünn und fast vergehend, raschelig und dürr, an den Rand gedrückt, zwischen Dunkelheit und auf wolkigem, wattigem, schlierigem Weißrosablau, kühl und nach oben ins Nichts verschwindend.
Ist es wirklich eine Landschaft? Kaum noch. Alwine Baresch geht in einen Grenzbereich, bewegt sich malerisch auf dem schmalen Grat zwischen Figuration und Abstraktion. Sie setzt Farben in großer Dynamik neben- und hintereinander ein, lässt Raum zwischen berstender Bewegung und tiefer, unergründlicher Schwärze, zwischen brennenden Feuertönen und grünlichen Wasser- oder Himmelsräumen, die miteinander in Spannung treten. Das Bild ist voller polarer Bezüge, selbst noch in den horizontalen und vertikalen Bewegungen. Farbfelder scheinen zu dunklen Gestalten zu werden und Gestalten sich in Farbfelder aufzulösen. Ein Paradies? Wohl nicht. Wenn, dann lässt sich eher die vom Menschen geschundene Schöpfung assoziieren. Aber vielleicht sind derlei Interpretationen angesichts der Bilder von Alwine Baresch nicht angebracht, sondern ein verweilendes Schauen und die Frage, was dieses Betrachten, dieses sich dem Bild überlassen in einem auslöst.
Vielleicht ist das der Weg zum Staunen, wenn man im Ich Entsprechungen entdeckt. Denn könnten Bilder wie dieses in ihren Spannungen und Dissonanzen wie in ihren paradiesischen Momenten, in ihren Sehnsuchtsaugenblicken nicht Ausdruck innerer Gemengelagen zeigen, und das in all ihrer Wucht und Dynamik?