Es sind die einfachen Dinge, mit denen Wolfgang Laib die Kunstwelt seit den 1970er Jahren verzaubert. Er benutzt Materialien aus der Natur – Bienenwachs, Milch, Reis, Blütenstaub oder Marmor.s

K&K, 5. Nov. 19:00 Uhr Kunst und Kultur, Bildervortrag von Friederike Otto

1977 begann Laib in den Wiesen und Wäldern in der nächsten Umgebung seines Dorfes bei Biberach Blütenstaub zu sammeln. Viele Tage und Monate, von Frühling bis Sommer wurde diese Tätigkeit über viele Jahrzehnte bis heute zu einem ganz wesentlichen Bestandteil seines Lebens. Der Blütenstaub wird in den Ausstellungen auf verschiedene Art und Weise gezeigt – meist als intensiv strahlendes Feld auf den Boden gestreut in rechteckiger Form mit ausfließenden Rändern. In anderen Ausstellungen wird der Blütenstaub in einfachen Gläsern gezeigt oder aber aufgehäuft zu kleinen Bergen.[9]

Mit großer Konzentration und Geduld verwandelt er diese alltäglichen, natürlichen Stoffe in Kunstwerke von außergewöhnlicher Klarheit und Schönheit. 

Seine Werke brauchen Zeit. Sie fordern keine schnelle Erklärung, sondern laden dazu ein, still zu werden und genauer hinzusehen. Ein Feld aus Blütenstaub kann zu einer Landschaft werden, ein Reiskorn zu einem Symbol für Leben, eine dünne Schicht Milch auf Marmor zu einem Bild von Vergänglichkeit. Das Kleine und scheinbar Unspektakuläre erhält eine ungeahnte Größe.

Wolfgang Laib wurde 1950 in Metzingen geboren und wuchs in Süddeutschland auf. Zunächst studierte er Medizin und promovierte 1974. Doch die Beschäftigung mit Krankheit, Leid und Tod führte ihn zu der Erkenntnis, dass sein Weg ein anderer sein müsse. Er wandte sich ganz der Kunst zu. Gleichzeitig beschäftigte er sich intensiv mit indischer Kultur, Philosophie und fernöstlichem Denken. Diese Erfahrungen prägen bis heute seine Vorstellung von Kunst als einer Form von Wahrnehmung, Erkenntnis und innerer Erfahrung.